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Ladislav Drezdowicz
Ausstellung April / Mai 2008


 

 

1996 erhielt Ladislav Drezdowicz den Auftrag,  die Dreharbeiten zum Film „Die Salzmänner von Tibet“ fotografisch zu begleiten. Schikanen der chinesischen Behörden mit unerfüllbaren finanziellen Forderungen verhinderten jedoch dessen Ausführung. Drezdowicz, in Basel lebender Fotograf, hatte sich bereits auf die Reise eingestellt und die Ausrüstung gekauft. So machte er sich schliesslich allein auf den Weg und erreichte Tibet über die nepalesische Grenze. Annähernd drei Monate verbrachte er in Lhasa und den umliegenden Gebieten. Per Bus und Anhalter bereiste er das Land. Zurück brachte er eine Serie von Aufnahmen, die tief beeindrucken. Sie zeigen ein Volk, das uns durch seine Offenheit und Herzlichkeit ergreift und dessen Schicksal unter der chinesischen Okkupation deshalb besonders schockiert.

Die Aufnahmen von Drezdowicz kamen unter schwierigen Bedingungen zustande. Ohne Bewilligung und ohne Begleitung bereiste er das zentraltibetische Hochland. Das brachte ihn der einheimischen Bevölkerung nahe, die ihn spontan unterstützte. Wegen der extremen Höhen oftmals am Rande seiner physischen Grenzen erfuhr er die Gastbereitschaft der Nomaden, die ihn in ihren Zelten aufnahmen, bewirteten und übernachten liessen. Eine überaus freundliche Aufnahme erfuhr er auch in den von ihm besuchten Klöstern. So entstanden Aufnahmen von grosser Unmittelbarkeit und Nähe zu den Menschen.

Die Bilder geben aber auch einen Eindruck von der enormen Härte des Alltags, bedingt durch die extremen geographischen Bedingungen. Die hier lebenden Menschen und ihre Tiere werden auf das Äusserste gefordert. Die Aufnahmen beschönigen nichts und romantisieren auch nicht das harte Leben der Bewohner dieses Landes.

Angesichts der aktuellen Ereignisse in Tibet und der bevorstehenden Olympiade in Peking stellt die Ausstellung auch einen kleinen Beitrag und eine Herausforderung dar, uns bewusst mit der konkreten Situation dieses armen Bergvolkes auseinanderzusetzen, das gleichermassen Opfer chinesischer Grossmachtansprüche wie schneller Kompromissbereitschaft der westlichen Länder geworden ist.

Artikel in der Basler-Zeitung vom 8. Mai 2008

Website von Ladislav Drezdowicz

Arbeiten aus der Ausstellung

 

tibet

"Verzweifelt schauen wir wieder zu, wie ein kleines Volk von einer grossen Macht niedergewalzt wird. Was in Tibet seit Jahrzehnten passiert, ist ein nationales, kulturelles und religiöses Genozid. Wirtschaftliche Drohungen genügen China, um Politiker auf der ganzen Welt einzuschüchtern. Zu weit hat man sich in die Abhängigkeit gebracht, zu viel Profit steht auf dem Spiel. Realpolitik nennt man das.

Was bleibt uns Nicht-Politikern, anders zu tun, als mit den Tibetern hoffen und auf ein Wunder warten. Die Hoffnung muss weiter leben und stärker werden. Jeder Gedanke, jeder Protest, jede Sympathiebekundung sind wichtig.

Ich hoffe, dass auch diese Bilder, die uns das Land und seine Leute näher bringen, einen kleinen Beitrag für diese Hoffnung leisten."

Die Fotos wurden in den Monaten April, Mai und Juni 1996 gemacht.

Ladislav Drezdowicz
 

Angaben zu Drezdowicz

1942              Geboren in Ostrava, Tschechoslowakei.
1948-56          Grundschulausbildung in Petrovice u Karvin
é.  Im Alter
von 13 Jahren erste fotografische Versuche.
1957-61          Besuch der Handelsschule in Ostrava. Intensive Beschäftigung mit der Fotografie. 1961-62          Angestellt bei den Stahlwerken in Ostrava-Vítkovice.
1962-64          Militärdienst.
1964-68          Studium der Anglistik und Germanistik an der Universität
T. G. Masaryk, Brno.
1968              Verlässt die Tschechoslowakei. Erhält politisches Asyl in
der Schweiz.
1969-73         Ausgedehnte Reisen und Gelegenheitsarbeiten in Deutschland, Israel, England,
    Irland, Spanien, Italien, Holland.
1974 …           Niederlassung in Basel. Arbeitet als Englischlehrer in
Basel. Fotografische freelance Beiträge für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Seit 1989 Mitorganisator mehrerer Photoworkshops in der Schweiz und in der Tschechischen Republik.